Warum Tragen?

Den Nachwuchs nah am Körper zu tragen entspricht der Natur des Menschen. Babys und kleinere Kinder zu tragen wird seit Menschengedenken praktiziert. Eines der Grundbedürfnisse unserer Babys ist der Körperkontakt und das ist auch tief in unseren Genen verankert.

Gorilla_TB-HPBiologen unterteilen den Nachwuchs der verschiedenen Tierarten in Nesthocker, Nestflüchter und Traglinge. Der menschliche Säugling ist kein Nesthocker, es fehlen ihm dafür entscheidende Kennzeichen: die geschlossenen Augenlider und Gehörgänge.

Der menschliche Säugling ist aber auch kein Nestflüchter, denn es dauert ca. 1 Jahr und mehr, bis er laufen kann. In der Biologie zählt der Mensch zur Gattung der Traglinge. Daher bringt der menschliche Säugling von Geburt an alles mit, was ihn zum Getragen werden vorbereitet.

anhock-spreizhaltungDie Anhock-Spreiz-Stellung: Nehmen wir ein Neugeborenes hoch, hockt es seine Beinchen an und spreizt sie leicht. Es erwartet bereits, auf der Hüfte getragen zu werden.  Das ist die natürliche Trageposition, die ein Baby einnimmt.

Der gerundete Rücken: Dieser ist ideal, um sich beim Tragen an den Tragenden anzulehnen und nicht nach hinten zu fallen.

Der Handgreifreflex: Legen wir die Finger in die offene Hand eines Säuglings, so greift er fest zu. Eine Fähigkeit, um sich bei Bedarf festklammern zu können. Diese Fähigkeit ist uns aus Urzeiten geblieben, um sich beim Tragenden festklammern zu können. Heute ist dieser Klammerreflex zwar immer noch vorhanden, aber in abgeschwächter Form.

Bild-Quelle: http://jeportemonbebe.com/
Die Beinstellung:
Die Oberschenkel sind beim Baby im Hüftgelenk seitlich abgespreizt. Dies ist eine Haltung die typisch für Traglinge ist, die sich mit Händen und Füßen am Körper der Mutter anklammern. Es ist auch die Beinhaltung, die ein Säugling einnimmt, wenn ihn ein Erwachsener auf der Hüfte trägt.

Unsere Kinder kommen auf die Welt, um getragen zu werden!

Tragen gibt Ihrem Baby Sicherheit und Geborgenheit. Indem du auf dieses Bedürfnis eingehst, gibst du deinem Baby alles, was es braucht und stärkst so sein Urvertrauen. Beim Tragen hörst du den vertrauten Herzschlag und die Bewegungen erinnern an die Zeit in Mamas Bauch. Bewegtwerden versichert ihm, nicht verlassen zu sein. Zudem hilft Bewegung bei Verdauungsproblemen und bei der Temperaturregulation. Körperkontakt ist deshalb das Beruhigungsmittel schlechthin für Babys und Kleinkinder.

Tragen ist auch kein neuer Trend, sondern ein tief verwurzeltes menschliches Vorgehen, das sich auch heute noch viele Kulturen beibehalten haben und jetzt in der westlichen Welt wieder zunehmend beliebter wird. Und das mit gutem Grund. Tragen bietet zahlreiche Vorteile:

– Tragen ist bindungsfördernd und stärkt die Liebe von Anfang an.
– Tragen beruhigt und entspannt.
– Tragen erleichtert den Alltag.
– Tragen wahrt eure Privatsphäre.
– Tragen ist Training.
– Tragen fördert die Gesundheit und die motorische Entwicklung.
– Tragen trainiert die elterliche Feinfühligkeit und Kompetenz

und noch vieles mehr…..

Tragen bereitet vor allem viel Freude, Glück

…und ganz viel Liebe!

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In der Slowakei im Jahr 1951.
Danke an Monika Helia Benkova für das Foto!


Weiterführende Links zu Tragethemen:

Forum:

www.stillen-und-tragen.de

Veröffentlichungen zum Thema Tragen:

Tragen aus kinderärztlicher Sicht – Dr. Herbert Renz-Polster

Tragen – ist das gut für ein Kind? – Dr. Herbert Renz-Polster

Der Mensch – ein Tragling! – Gaby Amstutz-Sandhofer

Tragen – Förderung der kindlichen Entwicklung – Evelyn Kirkilionis

Die große Bedeutung des Getragenwerdens – Jean Liedloff

Auf Mamas Hüfte reiten – Dr. Ewald Fettweis

Tragen und getragen werden – Dr. Marc Wuttke